Acrylmalwasser entsorgen – klingt unspektakulär, ist aber eine Frage die sich jede Malerin irgendwann stellt. Die Pinsel sind sauber, das Bild trocknet, und da steht es: das Glas mit dem trüben Wasser. Und plötzlich fragt man sich – wo soll das eigentlich hin?
In den Ausguss? Geht schnell und sieht harmlos aus. Und genau das ist das Problem.
Acrylfarbe besteht aus Pigmenten, die in einem Kunststoffbinder gebunden sind – und dieser Binder ist Plastik. Solange die Farbe feucht ist, lösen sich feinste Kunststoffpartikel ins Wasser dazu kommen Farbpigmente, von denen einige chemische Verbindungen enthalten, die im Wasserkreislauf nichts zu suchen haben. Kläranlagen sind schlicht nicht dafür gebaut dieses Mikroplastik herauszufiltern. Ein Teil davon gelangt in Flüsse, Seen und das Grundwasser.
Und noch etwas: Acrylpartikel sind klebrig. Sie setzen sich an Rohrwänden ab, Schicht für Schicht. Mal für Mal. Was heute noch problemlos abläuft, kann sich über Monate zu einer hartnäckigen Verstopfung entwickeln – und eine Rohrsanierung ist teuer.
Das Acrylpinselwasser gehört also nicht in den Ausguss. Aber wohin dann? Hier sind alle Methoden, die kursieren – ehrlich bewertet, mit allem was dazugehört.
Methode 1 - Absetzen lassen
Der erste Gedanke liegt nahe: einfach das Pinselwasser stehen lassen, und warten bis sich alles absetzt und dann das klare Wasser absetzen lassen. Klingt logisch – funktioniert leider so nicht.
Der Grund liegt in der Physik des Acrylfarbwassers selbst. Acrylfarbe enthält nicht nur Mikroplastik – sie enthält auch Nanoplastik. Diese Partikel sind so unvorstellbar fein, dass sie nicht absinken. Sie schweben dauerhaft, egal wie lange man wartet. Ein wirklich klares Wasser entsteht nicht, weil ein Großteil der Schadstoffe schlicht zu leicht ist, um je nach unten zu sinken.
Was ist mit einem Abscheider?
Manche KünstlerInnen kennen Abscheider aus der Keramik- und Töpferwerkstatt. Dort trennen Sedimentations- oder Schlammabscheider Tonpartikel zuverlässig vom Abwasser, weil Ton schwer ist und absinkt. Naheliegend also, dasselbe für Acrylwasser zu versuchen. Aber hier liegt der entscheidende Unterschied: Tonpartikel sind schwer. Nano- und Mikroplastikpartikel sind es nicht. Sie sind so fein und so leicht, dass sie schwebend im Wasser existieren – kein Abscheider der Welt kann etwas abscheiden, das nicht absinkt. Die Methode funktioniert für Ton hervorragend. Acrylfarbwasser kann damit nicht entsorgt werden.
Methode 2 - Verdunsten lassen
Eine weitere Idee, die kursiert ist das Acrylmalwasser in flache Schalen zu gießen und verdunsten zu lassen. Übrig bleibt dann getrocknete Farbe, die als fester Kunststoff tatsächlich im Restmüll entsorgt werden kann.
Das Prinzip ist richtig, aber in der Praxis oft mühsam. Je nach Menge des Acrylmalwassers und Raumklima dauert das Verdunsten Tage bis Wochen. Und in der ganzen Zeit stehen die Schalen herum und nehmen Platz weg. Diese Methode ist gut, aber kostet Zeit, Platz und Nerven. Für gelegentliche MalerInnen mit sehr kleinen Mengen ist das vielleicht noch machbar. Für aktive MalerInnen, Kurse oder Malgruppen schlichtweg undenkbar.
Methode 3 - Katzenstreu
Katzenstreu bindet Flüssigkeit durch Absorption. Das Acrylmalwasser wird in die Streu gekippt, die Flüssigkeit wird aufgenommen, es entstehen feste Klumpen.
Aber: Die Flüssigkeit verschwindet nicht. Sie steckt oft noch feucht in den Klumpen Katzenstreu. Das ist rechtlich heikel, da flüssige Acrylfarbe als Sondermüll gilt. Strenggenommen sind also die feuchten Katzenstreuklumpen immer noch Sondermüll. In der Praxis landet dann aber alles in der Mülltonne. Sauber gelöst ist das Problem nicht und das Acrylmalwasser wird nicht fachgerecht entsorgt.
Dazu kommt der praktische Aufwand. Man braucht deutlich mehr Katzenstreu, um das Acrylfarbwasser vollständig aufzusaugen, als man denkt. Das bedeutet auch ein hohes Müllvolumen. Was aus zwei Litern Farbwasser wird, landet als schwere, feuchte Klumpenmasse in der Mülltonne. Für eine EinzelkünstlerIn mit kleinen Mengen vielleicht noch denkbar. Für VielmalerInnen, Kurse und Malgruppen ist das keine realistische Option.
Es ist ein erster kleiner Schritt – aber eben nur ein halber.
Methode 4 - Superabsorber / Campinggranulat
Der Superabsorber ist ein Kunststoffgranulat, das Flüssigkeiten innerhalb von Sekunden aufnimmt und in ein stabiles, gelartiges Material verwandelt. Günstig, ergiebig, einfach in der Anwendung — und in der Malerszene zunehmend bekannt.
Der Superabsorber tut was er verspricht. Das Farbwasser wird effizient gebunden. Aber auch hier gilt: Das Wasser wird nicht gereinigt, es wird gebunden. Nano- und Mikroplastik und Pigmente bleiben vollständig im Gel. Und auch das entstandene Hydrogel wird nie vollständig trocken – rechtlich also wenn überhaupt dann eine Grauzone.
Das Volumenproblem, wie beim Katzenstreu, hat auch der Superabsorber. Aus 2 Litern Farbwasser werden zwei Liter Gel Masse im Müll. Das Wasser verschwindet nicht, es wird zu Abfall. Für VielmalerInnen, Kurse und Malgruppen ist das auch nur schwer denkbar.
Ein Gedanke der übrigens wirklich nachdenklich macht: Man verwendet einen Kunststoff – ein Polyacrylat – um Kunststoff aus dem Wasser zu binden. Man bindet also Plastikwasser mit Plastik! Das sollte man wissen. Und damit ist völlig klar, dass auch mit dieser Methode das Acrylmalwasser nicht fachgerecht entsorgt wird.
Und noch etwas, das alle bisherigen Methoden gemeinsam haben: Was am Ende übrig bleibt – ob Klumpen oder Gel – ist Müll. Nur Müll. Weiterverarbeiten oder weiterverwenden, also einen Mehrwert daraus ziehen ist nicht möglich
Methode 5 - Clara
Clara funktioniert grundlegend anders als alle anderen Methoden. Statt das Wasser zu binden, wird es gereinigt.
Zwei natürliche Wirkstoffe werden dem Farbwasser zugegeben. Das erste ist ein natürliches Mittel, das den pH-Wert des Wassers in die richtige Konzentration bringt, damit das zweite optimal wirken kann. Clara 2 lässt Pigment, Mikro- und Nanoplastik und den Binder ausflocken – die feinen Partikel verbinden sich zu größeren, sichtbaren Flocken, die sich absetzen und mit einem Filterblatt herausgefiltert werden können. Was im Filter zurückbleibt sind die gebundenen Schadstoffe – kompakt und handhabbar. Was danach übrig bleibt ist klares Wasser.
Das gereinigte Wasser kann bedenkenlos in den Abfluss gegossen werden. Die Filtermasse gut durchgetrocknet, kann in den Restmüll gegeben werden. Als einzige Methode entspricht Clara damit wirklich den gesetzlichen Anforderungen und das Acrylfarbwasser wird rechtlich einwandfrei entsorgt– ohne Grauzone und ohne schlechtes Gewissen.
Nach der einmaligen Anschaffung des Komplett-Kits kostet jeder einzelne Reinigungsvorgang von 2 Litern Acrylfarbwasser weniger als ein Kaffee to go. Für das was dabei passiert, nämlich sauberes Wasser, rechtssichere Entsorgung, kein Mikroplastik im Abfluss – ist das ein Preis, der sich kaum diskutieren lässt.
Und dann ist da noch das Upcycling: Was im Filter zurückbleibt, muss nicht zwingend entsorgt werden. Die farbigen Filterrückstände lassen sich direkt als Untermalung auf die Leinwand auftragen. Das Bild beginnt mit den Resten des letzten. Kein Müll, kein Problem — ein Kreislauf, der sich nicht nur gut anfühlt, sondern auch inspiriert.
Zur berechtigten Frage nach den Chemikalien
Clara 2 hat ein Gefahrensymbol auf der Flasche. Das sieht nach Chemie aus und Chemie klingt nach Vorsicht. In der Tat sollte die Lösung nicht in die Augen kommen. Allerdings hilft bei der Sorge vor den Inhaltsstoffen ein Blick auf den Kontext. Der überwiegend in Clara 2 enthaltene Inhaltsstoff wird in der Trinkwasseraufbereitung eingesetzt; außerdem in Schwimmbädern zur Wasserreinigung und sogar in der Wundheilung beim Menschen. Es handelt sich also keinesfalls um einen exotischen Stoff. Es ist ein gut erforschter, weit verbreiteter Wirkstoff.
In der Konzentration, wie er in Clara vorkommt, sollte er nicht in die Augen gelangen – aber er ist nicht giftig. Und in der Verdünnung mit 2 Litern Malwasser sind die verbleibenden Spuren im gereinigten Wasser so gering, dass sie unterhalb der Grenzwerte für Trinkwasser nach DIN-Norm liegen.
Die Dosis macht das Gift – das wusste schon Paracelsus. Und die Dosis ist hier schlicht zu gering, um ein Problem zu sein.
Der Vergleich auf einen Blick
| Katzenstreu | Superabsorber | Clara | |
|---|---|---|---|
| Mikroplastik entfernt? | Nein | Nein | Ja |
| Wasser gereinigt? | Nein | Nein | Ja |
| Rechtlich korrekt? | Fraglich | Fraglich | Ja |
| Abfallvolumen | Hoch | Hoch | Gering |
| Kosten | Höher | Günstiger | Weniger als 1 Kaffee to go |
| Für Kurse geeignet? | Nein | Nein | Ja |
| Filterreste nutzbar? | Nein | Nein | Ja – als Untermalung |
Fazit
Wer sich ernsthaft damit beschäftigt, wie man Acrylpinselwasser umweltgerecht entsorgen kann, merkt schnell: Die meisten Methoden verlagern das Problem nur – vom Abfluss in den Müll, vom Sichtbaren ins Unsichtbare. Das Nano- und Mikroplastik bleibt vollständig erhalten, nur woanders. Und rechtlich sauber ist das eher nicht.
Clara ist da eine andere Kategorie. Es ist die einzige Methode, die das Acrylfarbwasser wirklich reinigt, die rechtlich sauber entsorgt werden kann und die weniger kostet als ein Kaffee to go. Und am Ende kann man sogar noch etwas Schönes daraus machen.
Das ist kein kleiner Unterschied. Es ist ein grundlegend anderer Ansatz.
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