Worüber in Künstlerkreisen niemand spricht

Es passiert in fast jedem Atelier, mehrmals am Tag, und trotzdem spricht niemand darüber. Wir kippen unser Acrylwasser in den Ausguss. Alle. Ganz selbstverständlich, ohne nachzudenken.

Und genau das macht mich ganz verrückt. Es lässt mir keine Ruhe. Nicht, weil Maler:innen es nicht besser wüssten, sondern weil es ihnen nie jemand gesagt hat. Man macht es so, wie man es immer gemacht hat. Und weil alle anderen es genauso machen, denkt jede:r insgeheim: Wenn das wirklich ein Problem wäre, hätte doch längst jemand etwas gesagt. Aber keiner sagt etwas. Und so läuft es jeden Tag wieder in den Abfluss.

Ich habe es jahrelang selbst gemacht. Becher nehmen, ausgießen, Pinsel ausspülen, weitermalen. Bis ich mich irgendwann zum ersten Mal gefragt habe: Darf man Acrylwasser in den Abfluss kippen, einfach so? Dabei ist die Antwort, wenn man nur kurz innehält, eigentlich ganz einfach.

Eigentlich ist es längst klar: Acryl ist Plastik

Acrylfarbe klingt harmlos, weil sie wasserlöslich ist. Aber wasserlöslich heißt nicht umweltfreundlich. Acrylfarbe besteht aus Pigmenten, die in einem Kunststoffbinder gebunden sind, und dieser Binder ist im Kern nichts anderes als flüssiges Plastik. Er ist auch kein Versehen, sondern ganz bewusst in der Farbe: Er hält die Pigmente zusammen und macht die Farbe nach dem Trocknen fest, wischfest und haltbar. Das, was wir an Acryl so lieben, ist also genau das, was beim Ausspülen ins Wasser geht. (Was chemisch dabei passiert, haben wir hier aufgeschrieben.)

Eigentlich logisch, oder? Flüssiges Plastik gehört nicht in den Abfluss. Und trotzdem tun wir es, jeden Tag, in jedem Kurs, in jedem Atelier.

Sogar die Hersteller sagen es. Nur laut ausgesprochen hat es nie jemand

Das Verrückteste kommt jetzt. Wer einmal genau auf die Hinweise der Farbhersteller schaut, findet dort genau das, worüber niemand redet. Schmincke zum Beispiel, ein deutscher Traditionshersteller, weist ausdrücklich darauf hin, das Malwasser eben nicht einfach in den Ausguss zu geben. Auch der Verband der deutschen Lack- und Druckfarben-Industrie sagt es klar. Und selbst die kommunalen Abwassersatzungen sind da eindeutiger, als man denkt (was rechtlich gilt, steht hier).

Es steht also längst überall. Schwarz auf weiß, von denen, die die Farbe machen, und von denen, die das Abwasser regeln. Nur liest es kaum jemand. Und in unseren Malkursen, an den Volkshochschulen, in den Akademien hat es nie jemand laut gesagt.

Acrylfarbe ist Plastik. Aber laut aussprechen tut es niemand.

Warum lernt man das eigentlich nirgends?

Und genau hier liegt für mich der Grund für das ganze Schweigen. Wir lernen alles übers Malen: Techniken, Materialien, Farbenlehre, Untergründe, Firnis. Aber wie man das Schmutzwasser entsorgt, das voller Mikroplastik steckt, das stand nie auf dem Lehrplan.

Und das nicht aus Nachlässigkeit. Sondern weil es bisher schlicht keine praktikable Lösung dafür gab. Man kann schwer etwas unterrichten, das im Atelieralltag niemand umsetzen kann. Also blieb das Thema unausgesprochen, und alle machten es weiter so wie immer. Genau dieses Schweigen ist das Problem.

Aber die Kläranlage filtert das doch raus

Vieles, ja. Aber bei Weitem nicht alles. Und überhaupt: muss sie das? Wir reden über etwas, das so offensichtlich nicht in den Abfluss gehört, dass die Farbhersteller es selbst draufschreiben, und trotzdem verlassen wir uns einfach darauf, dass am Ende der Leitung schon irgendwer aufräumt. Dabei läuft bei jedem Starkregen ein Teil des Abwassers ungefiltert in die Flüsse, weil die Kanäle überlaufen. Das Einfachste wäre, das Plastik gar nicht erst hineinzugeben.

Es gibt längst Orte, die es anders machen

Was mich versöhnt: Es bewegt sich etwas, und zwar an den Orten, die ihr Handwerk besonders ernst nehmen. Die Kunstakademie Eigenart in Bad Heilbrunn achtet längst darauf, was mit dem Acrylwasser passiert. Die Sommerakademie in Rheinau, die bald wieder ihre Tore öffnet, genauso. Das sind keine Öko-Vorzeigeprojekte. Das sind Orte, an denen ernsthaft und mit Hingabe gemalt wird, und an denen man sich entschieden hat, dass das Wasser eben nicht einfach in den Abfluss läuft.

Das zeigt: Es ist kein Verzicht und kein erhobener Zeigefinger. Es ist einfach das nächste Stück Sorgfalt, das zum Malen dazugehört, so wie man auch seine Pinsel pflegt.

Aber das ist mir zu teuer

Vielleicht denkst Du jetzt: ein extra Eimer, Filter, Nachfüllen, lohnt sich das überhaupt? Ich kann Dich beruhigen. Clara ist kein teures Gerät, es ist einfach Hardware: ein Eimer, ein Sieb, ein paar Filterblätter. Und eine einzige Reinigung kostet, je nach Nachfüllpackung, nur rund 2,50 €. Mit den größeren Kanistern, die bald kommen, sogar noch weniger. Das ist weniger als der Coffee to go, den wir uns mehrmals die Woche ganz selbstverständlich holen, ohne mit der Wimper zu zucken, obwohl der Becher nach zehn Minuten im Müll landet.

Komisch eigentlich: Für gute Farben geben wir gerne Geld aus. Für schöne Pinsel auch. Weil gutes Material eben dazugehört, weil es sein muss. Nur die Entsorgung zählen wir im Kopf bisher nicht dazu. Dabei wäre das nur eine Frage der Gewohnheit. Wer von Anfang an gelernt hätte, dass man für sein Malwasser genauso verantwortlich ist wie für Leinwand und Pinsel, würde die paar Euro fürs saubere Entsorgen genauso selbstverständlich einplanen wie alles andere auch.

Was Du jetzt tun kannst

Das Einfachste zuerst: Du weißt es jetzt. Allein das verändert schon, wie sich das nächste Wegkippen anfühlt.

Genau aus diesem Frust heraus ist übrigens Clara entstanden. Ich habe das Glück, dass mein Mann Chemiker ist und jahrzehntelang diagnostische Produkte und Geräte entwickelt hat. Irgendwann habe ich ihn einfach gefragt: Kann man dieses Pinselwasser nicht sauber bekommen, bevor es in den Abfluss läuft? Und genau das haben wir dann zusammen entwickelt.

Clara flockt Mikroplastik und Pigmente in Deinem Acrylwasser aus und filtert sie heraus, bevor das Wasser in den Abfluss kommt. Kein Chemiebaukasten, kein großer Aufwand: ausspülen wie immer, kurz arbeiten lassen, durch den Filter gießen, und es bleibt klares Wasser übrig.

Ich wollte nie aufhören, mit Acryl zu malen. Ich wollte nur aufhören, dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

👉 Hier erfährst Du, wie Clara funktioniert

Und falls Du noch nicht so weit bist und das Ganze erstmal in Ruhe sacken lassen willst: Trag Dich hier ein, dann zeige ich Dir auch, wie aus dem herausgefilterten Farbschlamm wieder Farbe und neue Bilder werden. Aus Abfall wird Kunst, ganz ohne schlechtes Gewissen.

Eins noch: Du hast bis heute nichts falsch gemacht. Niemand hat es uns gesagt. Aber jetzt wissen wir es, und ich finde, das ist ein ziemlich guter Moment, um etwas zu ändern.

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